Mittwoch , 23 August 2017

Ghiyath ad-Din Dschamschid Kaschi

Ghiyath ad-Din Dschamschid Kaschi (persisch غياث الدين جمشید کاشی, geboren um ca 758 (Solar Hijri Kalender) 1380 n.Chr in Kaschan, Iran) war ein persischer Arzt, Mathematiker und Astronom des Hochmittelalters. (In Frankreich wird der Kosinussatz als Théorème d’Al-Kashi bezeichnet.) In jungen Jahren musste er sich seinen Lebensunterhalt als Arzt verdienen und konnte seine Studien der Mathematik und Astronomie nur nebenher betreiben. Trotz aller Widrigkeiten stellte er aufbauend auf dem Zij-i Ilkhani (Tabelle der Ilchane) des Tusi einen neuen Sternkatalog zusammen, der auch eine Sammlung mathematischer Gleichungen für die Astronomie wie Formeln für die Transformation von ekliptikalen zu äquatorialen Koordinaten und Tafeln trigonometrischer Funktionen enthielt. Er ist bekannt als Khagani Zij, Tafeln des Khans, da er ihn entweder dem Timuriden-Fürsten Schāh Ruch oder dessen Sohn Ulug Beg widmete. Ulug Beg erkannte die außergewöhnlichen Fähigkeiten Kashis und berief ihn 1420 an seine neugegründete Madresse in Samarkand. Er war der wichtigste Berater bei Konzeption und Bau des der Madresse angegliederten Observatoriums Gurkani Zij. Lange unübertroffene Ergebnisse wurden von ihm durch numerische Lösungen erbracht. Im Risala Muhitiya (Lehrbrief über den Kreisumfang) bestimmte er beispielsweise den Umfang des Einheitskreises (also das Doppelte der Kreiszahl ) aus dem 3*228-Eck auf 9 Sexagesimalstellen: 6;16,59,28,01,34,51,46,14,50, die er in die indischen Ziffern 6,2831853071795865 mit 16 richtigen Dezimalstellen umrechnete. Dies ist eines der ältesten Dokumente des Rechnens mit Dezimalbrüchen. Damit verbesserte er das Ergebnis des chinesischen Mathematikers Zu Chongzhi, der auf 7 Stellen genau berechnet hatte. Kaschi wurde erst 1596 von Ludolph van Ceulen übertroffen, der nach 30 Jahren Arbeit 35 Dezimalstellen berechnet hatte. Ob er oder Ulug Beg den Sinus von 1° mit hoher Genauigkeit berechnete, ist unter den Historikern umstritten. Es ist bemerkenswert, dass Qadi Zada, sein Kollege an der Medresse, das gleiche Ergebnis auf einem anderen Weg erzielte. Er setzte sich für den Ersatz der Bruchrechnung im Sexagesimalsystem durch Dezimalbrüche ein. Zur leichteren Vorhersage von Planetenorten baute er eine Art Analogcomputer, das Tabaq al-Manateq, das ähnlich einem Astrolabium aufgebaut war. Als Eingabe dienten Angaben aus Planetentafeln, die in Astronomiebüchern wie beispielsweise seinem Khagani Zij enthalten waren. Dieses Gerät entspricht den Volvellen, die oft in spätmittelalterlichen europäischen Astronomiebüchern enthalten waren. Für die Ausbildung der Studenten der Madresse in Mathematik und den Anwendungen in Astronomie, Landvermessung und Architektur schrieb er das fünfbändige Lehrbuch Miftah al-Hisab, das noch lange in der muslimischen Welt verbreitet war. Zum Zeitpunkt seines Todes hatten die astronomischen Beobachtungen am Observatorium gerade erst begonnen. Sein Nachfolger als Leiter wurde Qadi Zada. Die Zusammenfassung der Arbeiten, das Zij-i-Sultani, stützte sich auf al-Kaschis Khagani Zij. Briefe, die Kaschi an seinen Vater in Kaschan schrieb, sind mit die wichtigste Quelle für das Leben am Hof und in der Madresse in Samarkand.