Montag , 21 Mai 2018

Das mysteriöse Heiligtum von Khaled Nabi

Religiöse Pilgerfahrten im alten Persien haben eine lange und reiche Tradition, die bis tief in die vorislamische Zeit hineinzieht. Bis heute kann man kreuz und quer durch Iran die zahlreichen Belege von heiligen Plätzen, Heiligtümern und Stätten beobachten, die jedes Jahr von Millionen Gläubigen besucht werden. Sie zeigen eine große Vielfalt an örtlichen Bräuchen und Ritualen, die nun von Pilgern aus dem ganzen Land gepflegt und ausgeübt werden.
 
Die wichtigste Pilgerfährte finden in den heiligen Stätten Maschhads und Qoms statt, wo sich bekanntlich die Schreine zwei prominenter Persönlichkeiten des schiitischen Islams befinden, Imam Reza (Maschhad) bzw. seine Schwester Fatima Ma’sumeh (Qom). Darüber hinaus gibt es mehrere tausende kleinere Pilgerorte wo die Schreine eines gewissen Heiligen oder einer tief verehrten Persönlichkeit viele Besucher ziehen. Solche heiligen Stätten werden einheimisch als ziyāratgah (wörtlich „Besuchsort“) bezeichnet.  Die Anzahl von ziyāratgah in den Iran werden etwa 10,000 bis 12,000 geschätzt.
 
Khaled Nabi (persisch „خالد نبی“) ist einer dieser ziyaratgahs, der angeblich ein christlicher Missionar aus der arabischen Halbinsel des 6. Jahrhunderts war. Sein Grab, das sich zu einem lokalen Heiligtum entwickelt hat, befindet sich in der Region Turkmen-Sahra in der heutigen, nordostiranischen Provinz Golestan, an der Südflanke des Berges Kope Dagh. Die geographischen Lage des Heiligtums von Khaled Nabi ist gleichfalls sehr symbolisch, weil es auch im Grenzbereich des türkischen und persischen Kulturraums liegt. In beiden Kulturräumen spielt eben die Pilgerfahrt (die Ziyarat) eine recht beachtliche Rolle. Der Gipfel des Berges wird bei Turkmenen als tangry daq (‚‚Berg Gottes’’ auf Türkisch) genannt.
 
Ganz in der Nähe von Khaled Nabi liegt ein ehemaliger Friedhof, die aus der Zeit der vor- oder frühislamischen Antike zu stammen scheinen. Auf dem höchsten Gipfel des Berges gibt es einen getrockneten Baumstamm, etwa 3,5 Meter hoch, der im Volksmund auch chub-e moqadas (‚‚Heiliger Holz’’) genannt wird.