Freitag , 20 Juli 2018

Mir Sayyid Ali; ein persisch-indischer Miniaturmaler

Mir Sayyid Ali war ein persisch-indischer Miniaturmaler. Zusammen mit Abd as-Samad gilt er als Begründer der nordindischen Mogulschule, die sich aus der persischen Tradition der Miniaturmalerei herleitet.
 
In Persien stand Mir Sayyid Ali deutlich unter dem Einfluss des Malers Behzad und wirkte zwischen 1527 und 1545 an Illustrationen zu dem Epos Schāhnāme und von 1539 bis 1543 zur Hamsa des Dichters Nezāmi mit. In Indien blieb er dem safawidischen Stil seiner Heimat treu. Dennoch sind Einflüsse der indischen Rajputen-Malerei unverkennbar, etwa in der im Vergleich zur persischen Kunst weniger idealisierten Landschaftsabbildung. Ali widmete sich vornehmlich der Darstellung ländlicher und städtischer Szenen aus dem indischen Alltag und entwickelte sich so zu einem der bedeutendsten Vertreter der Genremalerei. Auf Grund der präzisen, realistischen Wiedergabe genauestens beobachteter Einzelheiten sind seine Genrebilder von großem Wert für die Erforschung der Kulturgeschichte.
 
Alis Werke zeichnen sich zudem durch eine lebhafte und harmonische Farbgebung aus. Bei den Illustrationen zu Nizamis Epos Leila und Madschnun löste er sich in Anlehnung an Behzads Naturschilderungen von der konventionellen höfischen Darstellungsweise, während seine Personendarstellungen nach dem Vorbild Qasim Alis Ansätze einer realistischeren Porträtkunst zeigen, wie sie sich lange nach Alis Tod unter der Ägide des Großmoguls Jahangir  durchsetzte. Gemeinsam mit Abd as-Samad leitete er die Bebilderung des Abenteuerromans Hamzanama in mehr als 1400 großformatigen Miniaturen, die zu den herausragendsten Beispielen der frühen Mogulkunst gehören.
 
Die genaue Zuordnung einzelner Werke zu Mir Sayyid Ali ist allerdings schwierig, da die meisten Miniaturen der Akbar-Zeit unsigniert waren und ohnehin in Gemeinschaftsarbeit entstanden. Fast alle eindeutig Ali zuordenbaren Malereien stammen daher aus der Zeit vor dessen Ankunft in Indien.