Dienstag , 19 März 2019

Rudaki

Rudaki, auch Rodaki (wörtlich „aus Rudak“), mit vollständigem Namen persisch ابو عبد الله جعفر رودكىt 859 in Rudak, Chorasan, heute Pandschrud bei Pandschakent, Tadschikistan; † 940/41 wahrscheinlich ebenda, möglicherweise Buchara) gilt als Vater der neupersischen Poesie.
 
Der Dichter und Musiker Rudaki wirkte eine Zeit lang am Hofe des Samanidenfürsten Amir Nasr Ben Ahmad II. (914–942/3). Er fiel zwar in der Gunst des Emirs, doch war er bei den Dichtern in verschiedenen Epochen als „Meister“ bzw. als „König der Dichter“ bekannt und berühmt.
 
Rudaki starb 941 in bescheidenen Verhältnissen. Von ihm sind etwa 1000 Verse der Gattungen Qasīda, Ghazal, Masnawī („Doppelverse“) und Rubai („Vierzeiler“) erhalten geblieben. Das Meisterwerk von Rudaki ist Kalīla wa Dimna (Burzoes Panchatantra), das er in Versform ins Neupersische übertrug. Es handelt sich um Fabeln, die sowohl lehrreich und unterhaltend als auch humorvoll und kritisch sind. Ferdousī widmete ein Kapitel seines Schahname dieser Fabelsammlung von Rudaki.
 
Die Urschrift des Kalīla wa Dimna stammt ursprünglich aus dem Sanskrit und hieß in Indien Panchatantra, d. h. „Fünf Stränge (von Erzählungen)“. (Der heutige im Deutschen geläufige Begriff „Tantra“ geht auf eine andere Bedeutung des Sanskritwortes Tantra „Kettfaden, Reihenfolge, Ritual, systematische Lehre“ zurück.)
 
Kalīla wa Dimna gehört zu den Pandsch Ketāb („fünf Büchern“), durch die z. B. die Kinder auf dem heutigen Boden Afghanistans in den Dorfschulen und „Koranschulen“, in der Madchal („Vorschule“) und in Familien mit besonderem Spaß lesen und schreiben lernten. Die Sprache von Rudaki ist einfach, seine Dichtung ist melodisch und vielschichtig.
 
Von Rudaki stammen weitere Gedichte, welche sich mit den Themen „Wissen“, „Bildung“, „Kunst“, „Tod“, „Leben“, „Liebe“, „Nouruz“ und „Welt“ beschäftigen. Bekannt ist vor allem seine Qasīda Der Duft des Amu Darja kommt heran (persisch بوى جوى موليان آيد همى, DMG bū-ye ǧū-ye mūlīyān āyad hamī), mit der er den Sultan zur sofortigen Rückkehr aus der Steppe nach Buchara bewegt haben soll und das heute noch oft vertont wird.