Dienstag , 19 März 2019
Thick walls of Rayen Castle, near Bam, Iran | © aaabbbccc/Shutterstock

Zitadelle von Rayen in der Provinz Kerman

Rayan sieht aus wie eine Miniatur von Bam: Mit vier Hektar besitzt die Festung nur ein Fünftel der Fläche der Mutter-Zitadelle. Wie in Bam befindet sich im Innern der Umfassungsmauern eine strikt hierarchisch aufgebaute Wohnstruktur mit abgetrennten Bereichen für die Königsfamilie, Aristokratie, Militär und Fußvolk. Hedayad führt die Besucher durch die Räume der Händler zu den Unterkünften der Zitadellenbewohner. Wind und Sonne haben die alten Lehmgebäude teilweise stark beschädigt, teilweise wurden sie aber auch mit großer Sorgfalt restauriert. Das Haus der Herrscherfamilie befindet sich in einem vorbildlichen Zustand. Zu erkennen sind sogar Teile der Inneneinrichtung: Lehmbänke und Lehmtische, Bäder und Brunnen, Öfen zum Brotbacken und in das Gemäuer geschlagene Futtertröge für die Pferde.
Das Herz der Anlage bildet ein großer, mit Lehmziegeln gepflasterter Platz, auf dem Militärparaden abgehalten wurden. Der Kommandeur befehligte die bis zu 1300 Soldaten Rayans von einem vier Meter hohen Podest aus, unter dem sich ein Torbogen befindet. Dieses Tor war die Verbindung zwischen dem militärischen Bereich und den königlichen Wohnräumen. Die zu betreten war jedoch Rangniederen strengstens untersagt.

Auch in Bam blieb der innerste Zirkel der Zitadelle der Königsfamilie vorbehalten. In den äußeren Bereichen der gigantischen Burg hingegen befand sich eine komplette antike Stadt mit 12000 Einwohnern. Nach dem Erdbeben findet man dort wenig mehr als Schutt. Bloß einige Grundmauern lassen die einstige Pracht der Anlage ahnen. Begehbar ist das Gelände nur noch über einen behelfsweise angelegten Bretterweg, der über die Trümmer der alten Bauwerke zum großen Turm der Zitadelle führt. Auch er ist zusammengebrochen.

zeit.de