Montag , 20 Mai 2019

iranischen Kunsthandwerk: Sanayeh-e Mustarefah

Beim iranischen Kunsthandwerk gibt es  eine besondere Sparte, die sich auf Persisch Sanayeh-e  Mustarefah nennt. Früher wurde der Persische Begriff Honar-e Mustarefah (fine Arts) für die bildenden Künste verwendet aber heute kommt er auch im Bereich des Kunsthandwerkes zum Tragen, immer dann nämlich wenn   ein kunsthandwerklicher Gegenstand durch ein zweites Kunstwerk weiter verschönert wird.

Beim Sanayeh-e  Mustarefah werden zum Beispiel mit Hilfe der Mal-, der Vergoldungs-( Tahzib) -, und der Schönschreibekunst  kunsthandwerkliche Federschatullen, Spiegel und Kästchen, Korantruhen und kostbare Bucheinbände oder auch Türen und Fenster ästhetisch weitergestaltet.    

 Zu Beginn der Qadscharenherrschaft (Ende 18., Anfang 19. Jahrhundert nach Christus)  fand dieses Schöne-Kunst-Kunsthandwerk Verbreitung, aber auch aus der Zeit davor blieben einige wenige Exemplare erhalten.  Zur künstlerischen Weitergestaltung eines kunsthandwerklichen Gegenstandes und seiner Bemalung oder Beschriftung  wurde dieser  mit einem besonderen Öl eingepinselt und dann wurde der Entwurf für die Verzierung auf den Gegenstand übertragen. Statt dem traditionellen Öl verwendet man heute Sprays um die Farben wasserdicht und beständig zu machen.

Tahzib bedeutet Vergoldung und man verwendet diese Bezeichnung auf sehr feine zusätzliche Verzierungen  von Gemälden oder Kalligrafien.  Manchmal ist ein Tahzib aber auch keine zusätzliche Verzierung sondern bildet  selber einen selbstständigen  Teil – wie in der Form eines Schamseh (Sonnenmotiv)   oder eines Turandsch (Medaillon).  Mit Tasch`ir تشعیر  werden sehr feine Zeichnungen von Blumen, Vögeln und Bäumen bezeichnet.  Tasch`ir  dienen  zusammen mit Tahzib zur schönen Textumrahmung in handschriftlichen Büchern oder Verzierung der Ränder  eines Bucheinbandes.

Die Islimi-Malerei ist ein iranischer Malstil. Dieser gestaltet sich aus ineinander verschlungenen manchmal auch abstrakten Linien von stilisierten Blüten- und Blättermotiven. Mit Islimi  ist  allgemein die Art einer traditionellen Verzierung gemeint, wie sie  früher  auf Gefäßen, auf Geweben und auf Steinmetzarbeiten sowie Stuckwerk  üblich war. Die Bezeichnung kam zur  Zeit der Seldschuken und der Il Khane auf.  Das Islimi-Design wurde in Anlehnung an die Pflanzenwelt entwickelt. Zweige und Blätter  der Pflanzen vereinigen sich  in diesem Design zu einem ineinander verschlungenen raffinierten Ganzen.  Wir begegnen der Islimi-Malerei bei der Gemäldeumrandung  oder auf der Kante  von Bilderrahmen.

Die Hinterglasmalerei übernahmen die Iraner zur Zeit der Safawiden (ab dem 16. Jahrhundert) aus Osteuropa, Indien und China. Diese Art der Malerei gewann bald einen iranischen Charakter. In den Werken, die entstanden, begegnen wir seltener dem Einfluss der westlichen Kultur.

  Die Hinterglasmalerei ist nicht so einfach wie die normale Kunstmalerei. Sie erfordert eine besondere Methode und zwar müssen die Stellen im Gemälde, die bei der üblichen Malerei zum Schluss der Vollendung dienen , gleich zu Anfang gemalt werden, d.h. erst kommen die Einzelheiten und so zusagen die i-Tüpfelchen zu stehen und dann erst folgt der Untergrund bzw. der Hintergrund und das Auftragen der Hauptfarben. 

Für die Hinterglasmalerei ist nicht nur Farbe notwendig.  Um  das Kunsthandwerk besonders prächtig zu gestalten, wurde eine Goldfolie hinter das bemalte Glas gelegt. Weitere Materialien zur  ganzen oder stellenweisen Unterlegung  waren Buntpapier, Seidenfasern, Leder und ähnliches.  Die vorwiegenden Farben für die Hinterglasmalerei waren Grün, Gelb, Rot, Braun, Schwarz, Hellblau und Weiß.  Die beliebtesten Motive waren Blumenblüten, oder das Blumen-Vogel-Motiv, Szenen aus der Geschichte der Religion und aus Heldenepen. Dargestellt wurden Menschen, Tiere und Landschaften. Diese Kunst diente auch zur Präsentation von Zitaten, Reimen oder Koranversen oder schönen geometrischen Figuren.

Auf dem Titelbild ist der erste Schahnameh von Firdausi in Form von Glasmalerei zu sehen. 

Eine andere Art des feinen Kunsthandwerkes ist Naqaschi- sir-e Laki. Diese Art von Malerei wird gerne für Bucheinbände, Spiegelumrahmen und Federschatullen und Kästchen verwendet. Traditionell sind zwei Techniken üblich.  Zunächst wird  Papier ein bis zwei Tage in Wasser eingeweicht bis eine weiche Masse entsteht. Diese wird geknetet und mit Leim vermischt und in die gewünschte Form gebracht. Nach dem Trocknen  wird eine Kalklösung aufgetragen und das Werkstück poliert.

Die zweite Technik gestaltet sich etwas komplizierter und zwar werden Papierlagen an ihren Enden zusammengeklebt.  Um einen goldenen Untergrund zu erzielen, wird eine Goldfolie aufgeklebt und nachdem der Leim trocken geworden ist, wird sie mit dem Extrakt des indischen Granatapfels gewaschen und abgetrocknet.  Um die goldene Oberfläche auf Glanz zu bringen, wird  die oberste Deckschicht der Goldfolie abgerieben. Die Goldkörnchen gibt man in ein Gefäß mit Wasser so dass sie sich absetzen und von dem überflüssigen  Material getrennt werden.  Daraufhin werden sie mit Katira-Leimöl  (dem Gummi-Harz von  Tragant) vermischt und auf der Fläche, die verziert werden soll, gestrichen.  Wenn das ganze trocken geworden ist, wird es mit Öl auf Hochglanz gebracht. Der auf diese Weise goldfarben glänzende  Untergrund  wird danach rot oder grün angemalt und auf diese Weise entstehen transparente Farben. Nach einer schönen Bemalung bietet eine solche sir-e Laki Arbeit   einen faszinierenden Anblick.

Die Laki-Malerei wurde unter der Zand-Dynastie (18. Jahrhundert) und während der Zeit der Qadscharen (die vor allen Dingen im  19. Jahrhundert herrschten)  auch in einigen Gebäuden auf den hölzernen Zimmertüren und den Spiegelrahmen üblich, wobei die Malereien mit Ölfarben angefertigt und mit einer dicken Lackschicht überzogen wurden. (vielleicht daher der Name Sir-e Laki –Malerei (mit Lack überzogenes Gemälde). In einigen Städten wie in Yazd, Schiras, Qazwin, Tabriz und in der Provinz Mazanderan sind noch viele Deckenmalereien und  mit dieser Technik bemalte Türen erhalten geblieben.  

Diese Art der Malerei  war in einigen wichtigen Malschulen üblich. Die Safawidische Kunstschule bevorzugte die  Abbildung  von Bäumen und Büschen außerhalb der Symmetrieachse eines Werkes und dynamische Bilder, aber die Schirazer Schule  legte gerade darauf Wert, dass sich das Gemälde der Symmetrie anpasst, so dass die Werke dieser Schule anstelle Bewegung zu suggerieren, Ruhe und Gleichgewicht ausstrahlten.   In der  Malerei der Safawidischen-Schule lässt sich leicht feststellen, um welche Art von Vogel es sich handelt, während dies  in der Malerei zur Zeit der Zand und der Qadscharen nicht möglich ist und die Künstler sich mehr auf die Welt der Pflanzen und Blumen konzentrierten. Während unter der Safawidenzeit der Künstler seinen Namen unter das Gemälde setzte, war dies in der darauffolgenden Zeit nicht mehr Sitte.  Die Inhalte  der Laki-Malerei unter den Qadscharen im 19. Jahrhundert waren epischer oder politischer oder romantischer Natur oder hatten  religiöse Themen  oder Mythen zum Gegenstand.

Das sogenannte Gol wa boteh – oder Gol wa Parandeh – dh. Blüten mit Sträuchern bzw. Blumen-Vogel-Motiv taucht seit ewigen Zeiten in der iranischen Malerei auf. Das mag damit zu tun haben, dass es gemäß den alten Schriften in den königlichen Palästen wunderschöne Gärten gab und die Iraner schon immer eine Vorliebe für Pflanzen hatten.  Die  Gol wa boteh-Malerei gelangte unter den Safawiden (16. bis 18. Jahrhundert) zur Entfaltung und wurde immer beliebter als Motiv für die Verzierung von Federschatullen, Spiegelrahmen, Ölgemälde und Bucheinbände.  Ein populäres Motiv während der Zeit der Zand-und der Qadscharen-Dynastie war die Schwertlilie. (Naqsch Gol Zanbagh) – die auch als eine Version des Blüten und Sträucher Motivs galt.  Das Schwertlilien–Motiv ist typisch für die Schirazer Kunstschule und nimmt einen besonderen Platz in ihr ein.  Die Schwertlilie in diesem Motiv hat drei Blütenblätter die zum Himmel und drei Blütenblätter die zur Erde weisen und jedes Blütenblätter gleicht einer Flamme, während aus der Blütenmitte  Licht hervorstrahlt.  Dass  Vögel inmitten von  Blumen und Blättern  in der iranischen Malerei häufig vorkommen, ist ein Hinweis auf ihre Beliebtheit. Typisch für die Malerei in der Qadscharenzeit  ist ein Vogel im Rosenstrauch.  

Quelle: Parstoday