Freitag , 18 Oktober 2019

Engelbert Kaempfer | Reihe: Deutsche Orientalisten

Engelbert Kaempfer (* 16. September 1651 in Lemgo; † 2. November 1716 in Lemgo-Lieme) war ein deutscher Arzt und Forschungsreisender. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Kaempf.“

Im Zuge einer fast zehnjährigen Forschungsreise (1683 bis 1693), die ihn über Russland und Persien nach Indien, Java, Siam und schließlich Japan führte, sammelte er zahlreiche Kenntnisse zur Geographie, Natur, Gesellschaft, Religion, Politik, Verwaltung sowie den Wissenschaften und Künsten der bereisten Regionen. Seine Schriften gelten als wichtige Beiträge zur frühmodernen Erforschung der Länder Asiens. Sie prägten zugleich das europäische Japanbild des 18. Jahrhunderts und dienten bis ins frühe 19. Jahrhundert vielen Forschungsreisenden als Referenzwerk.

Im Safawidenreich (1683 bis 1685)

Am schwedischen Hof machte Kaempfer die Bekanntschaft von Samuel von Pufendorf, der ihn dem schwedischen König Karl XI. als Arzt und Legationssekretär für eine Gesandtschaft unter Leitung des Holländers Ludwig Fabritius (1648–1729) zum russischen und persischen Hof empfahl. Während dieser Reise schulte er seine Beobachtungsfähigkeit und fertigte umfangreiche Aufzeichnungen zu Land und Leuten in den besuchten Regionen an. Die Delegation brach am 20. März 1683 aus Stockholm auf und reiste über Finnland, Livland, Moskau nach Astrachan, wo sie am 7. November 1683 eintraf und von wo sie sodann per Schiff die Reise über das Kaspische Meer fortsetzte. Am 17. Dezember erreichte sie Schemacha, Hauptstadt der damals noch unter iranischer Herrschaft stehenden Region Schirwan. Den dortigen einmonatigen Aufenthalt nutzte Kaempfer zur Besichtigung der Erdölquellen Fontes Naphta von Badkubeh (heute Baku), die er als erster Europäer erkundete und genauer beschrieb. Noch heute erinnern Ausstellungstafeln im Museum von Baku an den Besuch Kaempfers. Am 14. Januar 1684 traf die Gesandtschaft in Rascht in Nordiran ein und reiste von dort über Qazvin, Qom und Kaschan zur safawidischen Hauptstadt Isfahan weiter, wo sie am 29. März 1684, ein Jahr nach ihrer Abreise von Stockholm, eintraf.

Kaempfer hielt sich insgesamt 20 Monate in Isfahan auf und wurde so zu einem der wichtigsten europäischen Zeitzeugen, dem wir wertvolle Berichte über die damalige iranische Hauptstadt, die Verwaltung des Safawidenstaats und das Leben am Hofe verdanken. Nicht zuletzt durch das Erlernen des Persischen und Türkischen war er in der Lage, tiefe Einblicke in das Leben im Iran des 17. Jahrhunderts zu gewinnen.

The ‚Great Square of Isfahan‘ (Meidan-e Naghsh-e Jahan) in Engelbert Kaempfer’s Amoenitates Exoticae (Lemgo, 1712, p. 170).
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