Dienstag , 23 Juli 2019
Hafis-Goethe-Denkmal zu Weimar, von Norden gesehen; enthüllt im Jahr 2000.

Hafis-Goethe-Denkmal

Als Hafis’ „Diwan“ in der Übersetzung von Hammer-Purgstall zum ersten Mal in die deutsche Sprache Eingang fand, gehörte Johann Wolfgang von Goethe zu seinen hingebungsvollsten Lesern. Das Werk befindet sich in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Inspiriert und im Dialog mit dieser reich kommentierten Ausgabe schrieb Goethe ab 1814 seinen Gedichtzyklus West-östlicher Divan (1819).

Das Hafis-Goethe-Denkmal am Beethovenplatz in Weimar erinnert mit zwei sich gegenüberstehenden granitenen Stühlen, die ost-westlich ausgerichtet sind, an die Begegnung Goethes mit dem Werk des Hafis. Dieses Denkmal wurde im Jahre 2000 durch den damaligen iranischen Präsidenten Chatami anlässlich seines Staatsbesuchs in Deutschland enthüllt und stammt von den Künstlern Ernst Thevis und Fabian Rabsch. Es handelt sich hierbei um eine Schenkung der UNESCO an die Stiftung Weimarer Klassik, wobei seit 1997 private Spenden das Projekt unterstützt hatten. Es soll die miteinander verbundenen „Zwillingsbrüder im Geiste“, wie Goethe seine Beziehung zu Hafis bezeichnete, im Diskurs darstellen. Dazwischen ist in persischer Zierschrift (Nastaʿlīq), umrahmt von geometrischen Ornamenten, ein von Präsident Chatami ausgewähltes Ghasel eingelassen, das von der Weimarer Dichterin, Schriftstellerin und Islamwissenschaftlerin Gisela Kraft (1936–2010) in völliger Übereinstimmung mit dem Reimschema des Originals folgendermaßen nachgedichtet wurde:

Um dich zu leiden ist mein Lebensweg gewesen, Fernab der Welt mit ihrem gleisnerischen Wesen. Ein vollgeschenktes Glas, ein Mundschenk, mondenschön, Statt geifernder Gelehrter schmeichelt meinem Wesen. Mein Geist hat zwei Narzissen Augen sich erlesen, Zwei Hyazinthenhärchen im Gesicht erlag mein Wesen. So ging das Leben hin in Hoffnung auf ein Zeichen: Zwei Brauenenden sind mein Augentrost gewesen. Und wie kein Heer mir hilft, am Dasein zu genesen, So wenig taugt mein Arm, ein Weltreich zu verwesen. Das Auge des Geliebten, das da spielt und blitzt: In seinem zauberischen Zwinkern ruht mein Wesen. Bekümmert press die Stirn aufs Knie ich wie ein Veilchen, Weil seine freche Strähne nicht zu sehn gewesen. Wie andere den Mond betrachten voll Verlangen, Ist jene Braue meiner Blicke Mond gewesen. Hafis, hast du gesagt, wo irrt dein schweifend Herz? – In einer Lockenbiege treibt es nun sein Wesen.